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Wozu Feedback?

Feedback an die Lernenden zu geben gehört seit jeher zu den wichtigen Aufgaben einer Lehrperson. Von den Schüler/innen regelmässig Feedback zu bekommen und damit auch von ihren Erfahrungen und ihrem Expertenwissen zu profitieren, ist jedoch eine Praxis, die vielfach noch zu wenig genutzt wird. Ebenso verhält es sich mit dem Feedback von Kolleg/innen. Hier liegen Schätze begraben, deren Wert und Nutzen zunehmend mehr Lehrpersonen für sich zu entdecken beginnen.
 

Persönliche Reflexion ist eine der wichtigsten Ressourcen für eine lernende und Gesundheit erhaltende Berufspraxis. Der schrittweise Aufbau einer Feedbackkultur in der Schule ist ein wesentlicher Beitrag zur Gesundheitsförderung und Professionalisierung.

Kompetente, motivierte und gesunde Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Ressource jeder Schule. Gute Schulen 'leben' davon, dass jede Lehrperson an ihrer professionellen und persönlichen Weiterentwicklung kontinuierlich arbeitet. Wenn Lehrpersonen regelmässig ihre eigene Arbeit  reflektieren, Feedback einholen und sich in Teams an der Weiterentwicklung des Unterrichts beteiligen, leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Qualität der Schule und zur Qualität der eigenen Arbeit.
 


Vier gute Gründe für Feedback

Es gibt viele gute Gründe, Feedback als alltägliche Praxis zu pflegen und in der Schule schrittweise als Kultur aufzubauen:


Feedback als Mittel des beruflichen Lernens  

Selbstreflexion hilft, mehr über sich, seine Handlungen, seine subjektiven Theorien und Überzeugungen zu erfahren. Sie hilft, berufliche Enttäuschungen und Misserfolge zu verarbeiten, und befähigt, Erfahrungen zu verstehen und Praxiswissen zu generieren. Lehrpersonen, die regelmässig Feedbacks (z.B. von den Lernenden oder von Kolleginnen und Kollegen) einholen, nutzen die Rückmeldungen, um realitätshaltiges Wissen über sich und die Mitwelt zu gewinnen. Das macht sie stark, weil sie dadurch

  • Bestätigung und Anerkennung finden
  • die unterrichtliche Handlungskompetenz und damit die eigene Professionalität verbessern
  • mehr über die Wirkungen von bestimmten Lehr- und Lernsettings wissen,
  • erfahren, welche ihrer Verhaltensweisen von anderen als förderlich erlebt werden
  • Hinweise zur Optimierung und Verbesserung der eigenen Unterrichtspraxis gewinnen.
     

Feedback fördert eine realistische Berufsauffassung  

Voraussetzung einer professionellen und gesundheitserhaltenden Berufspraxis ist ein bewusster Umgang aller an der Schule beteiligten Personen mit

  • den Zielen und Werten ihrer Arbeit
  • dem ihnen übertragenen Auftrag
  • den an sie gestellten Erwartungen
  • und den Wirkungen des eigenen Handelns.

Wie gut die gesetzten Ziele erreicht, der Auftrag erfüllt und die Erwartungen befriedigt wurden, sollte regelmässig reflektiert werden. Dabei gilt es, auch die Sichtweisen von Schülerinnen und Schülern, Eltern oder anderen Schulpartnern einzubeziehen. Lehrpersonen und Schulleitungen erhalten so

  • Rückmeldungen zu ihrer Arbeit,
  • Anerkennung ihrer Stärken und Leistungen,
  • Aufschluss über Verbesserungsmöglichkeiten
  • und Hinweise auf sich verändernde Aufgabenfelder
     

Feedback ist gesundheitsförderlich

Eine Untersuchung1 zu den Wirkungen von Feedback auf die einzelnen Lehrpersonen zeigt, wie wichtig der Aufbau einer schulinternen Feedbackkultur gerade auch für die Gesunderhaltung im Beruf ist. Die untersuchten Lehrpersonen, die in ihre Berufspraxis ein regelmässiges Feedbacknehmen und -geben integriert haben, berichten von folgendem persönlichen Gewinn:

  • Gefühl, als Lehrperson bestärkt zu werden – Gewinn an Sicherheit,
  • Relativieren der eigenen Schwächen und Stärken
  • Stärkung von Arbeitspartnerschaften
  • Entwicklung einer reflexiven Berufspraxis – Stärkung der Reflexionsfähigkeit
  • forschende Haltung im Unterricht
  • Entwicklung von Offenheit und Sensibilität
  • Befähigung, die Unterrichtspraxis zu ändern
  • Gesundheit und Arbeitszufriedenheit: mitgetragen werden
  • Abbau von Stressfaktoren
  • Gefühl der Selbstwirksamkeit
  • Anerkennung und Bestätigung
     

Feedback verbessert das Schulklima 

Dieselbe Studie1 beschreibt auch auf der Ebene der Schule positive Auswirkungen:

  • Verbesserungen im Schulklima und in der Schulkultur
  • lösungsorientierter Umgang mit Konflikten
  • Erweiterung der Rollen von Lehrpersonen im Kollegium
  • Unterstützung von Qualitätsentwicklung und -prozessen an der Schule

1 Studie: Esther Enns/Roland Rüegg/Birgit Schindler/Peter Strahm: Lehren und Lernen im Tandem. Porträt eines partnerschaftlichen Fortbildungssystems. Zentralstelle für Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung Kanton Bern (Bern 2002).
 


Tipp

Im Evaluationscenter finden Sie viele Feedbackinstrumente für Lehrpersonen, Unterrichtsteams und Schüler/innen.
Artikel

Gerold Brägger/Norbert Posse:
Gesundheitsförderliche Feedbackkultur
aus: Brägger/Posse 2007